»Wir sind vom Potenzial des Areals restlos überzeugt.«

Nihat Anac vom KreativWerk im Interview

24.07.2019

Seit 2015 arbeiten die Stadtwerke Augsburg daran, eine acht Hektar große Industriebrache, die im Jahr 2001 als Gaswerk stillgelegt wurde, einer dauerhaften Nutzung zuzuführen. Jetzt sind erste Ergebnisse sichtbar. Nihat Anac, Geschäftsbereichsleiter und Prokurist der zu den Stadtwerken gehörenden KreativWerk GmbH & Co. KG, über die Entstehung eines einzigartigen Kulturparks.

B24: Herr Anac, mit dem GASWERK in Augsburg haben Sie eine echte Brownfieldrevitalisierung vor der Brust – mit allem, was dazu gehört. Bevor wir ins Detail gehen, stellen Sie doch bitte kurz das Projekt und den momentanen Stand vor.

Nihat Anac: Das Gaswerk Augsburg, ein über 100 Jahre altes, innenstadtnah gelegenes Industriedenkmal von europäischem Rang, wird von den Stadtwerken Augsburg (swa) in Kooperation mit der Stadt Augsburg in den kommenden Jahren umgebaut und entwickelt. Im Zuge dessen entsteht auf dem 70.000 Quadratmeter großen Gelände ein einzigartiges Areal für die Kultur- und Kreativwirtschaft sowie die Theater-, Kunst- und Musikszene der Region. Seit Anfang des Jahres ist das historische Ofenhaus und ein daran anschließender Neubau Wirkungsstätte des Staatstheaters Augsburg. Auf weiteren 5.000 Quadratmetern Fläche findet Augsburgs Kunst- und Musikszene auf dem Areal sukzessive in neu gestalteten Atelier- und Proberäume Möglichkeiten zur kreativen Entfaltung. Weitläufige Open-Air Eventflächen bieten Kulturschaffenden zudem die Option, unterschiedlichste Veranstaltungsformate umzusetzen. Wir freuen uns sehr darüber, auf diese Weise Gastgeber für den kulturellen Puls der Stadt zu sein. Auf der anderen Seite sollen auf dem Gaswerksgelände in weiteren Ausbaustufen auch Gewerbeeinheiten für Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft geschaffen werden. Dabei sehen wir uns insbesondere als Impulsgeber bei der Beantwortung von Fragen zur Arbeitswelt von morgen. Als kommunales Unternehmen ist es uns aber auch ein Anliegen, dass das Gaswerk ein leben-diger, offener und grüner Raum für die Stadtgesellschaft ist, der alle Bürgerinnen und Bürger willkommen heißt.

B24: Altlasten, Denkmalschutz, Baurecht … alles Punkte, die auch Ihr Projekt betreffen. Wie groß waren die Herausforderungen wirklich und liegt darin nicht eben auch eine Chance?

Nihat Anac: Das waren und sind in der Tat Punkte, die bei der Projektentwicklung eine große Herausforderung darstellen. Zunächst gilt es in enger Zusammenarbeit mit der oberen und unteren Denkmalbehörde die zu erhaltenden Bauteile festzulegen und die nötigen Maßnahmen in die Planung und Umsetzung zu integrieren. Dadurch entstehen natürlich erhebliche Mehrkosten.

Um ein Beispiel anzuführen: Allein beim Umbau des historischen Ofenhauses zur Theaterspielstätte inklusive Gastronomiebereich fielen zusätzliche Kosten von über 2 Millionen Euro an. Auch die Sanierung der Altlasten in den Gebäuden und im Boden, die sich aufgrund der jahrzehntelangen industriellen Nutzung angesammelt haben, ist selbstredend eine kostspielige Angelegenheit. Die größten Brocken haben wir bereits hinter uns. So wurde nach und nach auf 40.000 qm Fläche das Erdreich ausgetauscht sowie im Zuge von Maßnahmen zur Tiefenentrümpelung tote Kanäle, Leitungen und Gänge entfernt. Da wir als Eigentümer seit der Stilllegung jährlich ca. 500.000 Euro in den Unterhalt des Geländes stecken mussten und wir vom Potenzial des Areals überzeugt sind, gehen wir davon aus, dass die Sanierung und Umnutzung sich sowohl in finanzieller Hinsicht als auch im Hinblick auf, eine zukunftsgewandte Stadtentwicklung auszahlen wird. Außerdem sind wir stolz auf die Historie und die einzigartige Architektur und sehen es als unseren Auftrag diese zu erhalten und zu pflegen.

B24: Eigentümerin der Fläche sind die Stadtwerke Augsburg, die bei einer Vielzahl von Gebäuden auf dem Gelände – sowohl beim Neubau als auch der Revitalisierung – selbst tätig wird. Dennoch gibt es Flächen, für die noch Investoren gesucht werden. Um welche Flächen handelt es sich und was ist dort geplant?

Nihat Anac: Im Zuge einer geplanten Nachverdichtung im Ostteil des Areals sind zwei Neubauten vornehmlich für Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft geplant. Für diese Bauvorhaben suchen wir noch einen Co-Investor, mit dem wir gemeinsam unsere Vision eines innovativen Gründer- und Wachstumsstandorts verwirklichen wollen. Wir visieren in diesem Bereich eine vermietbare Nutzfläche von insgesamt ca. 16.000 Quadratmetern an und wollen, gerade was die bauliche Umsetzung und die Infrastruktur betrifft, bedarfsorientierte und zielgruppenspezifisch optimierte Angebote schaffen.

B24: Gibt es bei diesem Vorhaben eine Besonderheit?

Nihat Anac: Die geplanten zwei Gebäude auf der Ostseite des Geländes sollen, wenn möglich, innerhalb der alten Teleskopgasbehälter errichtet werden. Dies stellt sicherlich eine große planerische und bauliche Herausforderung dar. Wir sind aber durchaus optimistisch, dass dort ein weiteres architektonisches Highlight entstehen kann, in welchem sich die Verbindung von historischer Aura und innovativem Zeitgeist wiederspiegelt.


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