Interview mit Sprengmeister André Michael Schewcow von der Deutschen Sprengunion GmbH

Die Sprengung des Kraftwerks Knepper mit Kesselhaus, Kühlturm und Schornstein galt als die größte 2019 in Deutschland. Entsprechend hoch war das Medieninteresse. Über die explosive Arbeit, den Alltag der Sprengunion und wann eine Sprengung sinnvoller als ein Abbruch ist, erzählt André Schewcow im Interview mit Brownfield24.

13.03.2019

BF24: Herr Schewcow, seit der Sprengung des Kraftwerk Kneppers im Februar 2019 ist die Deutsche Sprengunion in die öffentliche Wahrnehmung gerückt. Stellen Sie sich, Ihr Unternehmen sowie Ihre »Haupttätigkeit« – die ja doch besonders ist – kurz vor?

AS: Ich bin gelernter Kaufmann, seit 2007 in der Sprengtechnik unterwegs und heute Geschäftsführer der Deutschen Sprengunion GmbH. Natürlich habe ich auch, um ein fundiertes praktisches Wissen zu erhalten, auf Baustellen mitgearbeitet und die Schulbank gedrückt, um allgemeine Sprengarbeiten und Bauwerkssprengungen durchführen zu dürfen. Unsere Unternehmenshistorie reicht bis 1969 zurück. In all den Jahren hat sich ein enormer Erfahrungsschatz aufgebaut, auf den wir zurückgreifen können und der uns heute auszeichnet. Unsere Mitarbeiter haben teilweise mehr als 25 Jahre Berufserfahrung. Das zählt in unserer Branche aus meiner Sicht mit zu den wichtigsten Indikatoren für Kompetenz und Qualität.

Unser Kerngeschäft ist die Bohr- und Sprengtechnik. Das beginnt bei Ankerbohrungen oder Bohrungen für Anschlussbewehrungen und setzt sich fort mit Felsauflockerungen, Auflockerungen von Fundamenten oder Bauwerkssprengungen, wie z. B. vor kurzem das Kraftwerk Knepper. 

Meine Aufgabe ist die Leitung der einzelnen Projekte, vom ersten Kundenkontakt bis hin zur Planung und Steuerung der Ausführung.

BF24: Das Kraftwerk war sicherlich auch für Sie kein alltägliches Projekt – in welchen Bereichen werden Ihre Dienste normalerweise gerne in Anspruch genommen?

AS: Unsere alltäglichen Aufgaben sind Felsauflockerungen, z. B. bei Autobahnerweiterungen und in Steinbrüchen, beim Neubau von Ortsumgehungen, Erweiterungen/Einebnungen von Werksflächen oder als Ergänzung im Tiefbau. Zum täglichen Brot gehören auch die Auflockerung von Beton und Stahlbeton, z. B. Fundamente von Maschinen, Windkraftanlagen oder Bunkern. Alternativ arbeiten wir bei der Auflockerung von Felsen, Beton und Stahlbeton auch mit Expansivmitteln als Alternative zu den Explosivstoffen. Das ist eine Art Mörtel, der in Bohrlöcher gefüllt wird und sich dort durch eine chemische Reaktion ausweitet, wodurch der Beton auseinanderdrückt wird.

Wir übernehmen regelmäßig Reinigungssprengungen in Müllverbrennungsanlagen, sogenannter heißen Massen, oder auch Sprengungen unter Wasser. Die werden z. B. erforderlich beim Einbringen von Spundwänden oder beim Antreffen von Findlingen, die sich, aufgrund der Tiefe, nur schwer maschinell beseitigt lassen. Und selbstverständlich sprengen wir auch immer wieder Bauwerke, z. B. Schornsteine, turmartige Bauwerke und Masten, Gebäude oder Stahlskelettkonstruktionen.

BF24: Gibt es einen Indikator, wann eine Sprengung sinnvoll ist und wann ein konventioneller Rückbau vorzuziehen ist?

AS: Auch wenn die heutige Gerätetechnik sehr leistungsfähig ist, sind klassischerweise schlanke, schmale und hohe oder massive Bauwerke bzw. Bauwerksteile prädestiniert zum Sprengen. Außerdem gibt es Fälle, in denen die Sicherheit besondere Berücksichtigung finden muss, wie eine eng angrenzende Nachbarbebauung oder z. B. eine ICE-Trasse, die das Baufeld tangiert. Eine Sprengung ist ein Momentereignis und eignet sich besonders, wenn die Sicherungsmaßnahmen sehr hoch sein müssen, der Gefahrenbereich personenfrei sein soll und mobile Gegenstände entfernt werden können. Das ist in dem kurzen Zeitraum von kurz vor und bis kurz nach der Sprengung möglich. Beim Zusammentreffen dieser Rahmenbedingungen ist eine vergleichbare und immer noch wirtschaftliche Lösung bei einem konventionellen Abbruch aufgrund der Ausführungsdauer nicht so einfach darstellbar.

BF24: Gibt es bereits die nächsten Projekte, bei denen man Ihre Arbeit »bestaunen« kann?

AS: Nicht jedes Projekt wird medial so begleitet wie die Knepper-Sprengung. Sie galt als größte Sprengung 2019. Aber auch weniger öffentlichkeitswirksame Projekte haben es in sich: Aktuell haben wir zum Beispiel vier Bunker im Auftrag. Zwei davon sollen vollständig abgebrochen werden, zwei davon nur teilweise, als Vorbereitung für Umbaumaßnahmen. Zudem haben wir neben mehreren Tagesaufträgen noch einen 100 m hohen Schornstein im Auftrag, eine Hangsicherungsmaßnahme, bei der eine Felsnase abgesprengt werden soll sowie eine Brücke in der Nähe der belgischen Grenze.

© Hagedorn Unternehmensgruppe


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