INTERVIEW DOLPHIN TRUST GMBH & KONVERSIONSPROJEKT JÜTERBORG

24.01.2019

Die in Langenhagen bei Hannover ansässige Dolphin Trust GmbH verbindet die Liebe für denkmalgeschützte Bausubstanz mit großer Erfahrung in der fachgerechten Sanierung von Baudenkmälern und ihre dauerhaften Bewohnbarmachung. Dabei scheut das Unternehmen auch vor schwierigen Aufgaben nicht zurück.

Charles Smethurst, Gründer von Dolphin Trust, erläutert im Interview die Herausforderungen und Chancen bei Denkmalschutz- und Konversionsprojekten. Ein aktuelles Großprojekt: Jüterbog.

Sehr geehrter Herr Smethurst, wofür steht Dolphin Trust und wo liegt Ihr Tätigkeitsschwerpunkt vor?

Dolphin Trust ist ein auf Baudenkmale spezialisierter Projektentwickler mit Sitz in Langenhagen bei Hannover. Das Unternehmen ist in Deutschland vornehmlich im Bereich des Wohnungsbaus tätig und bewirtschaftet gegenwärtig ein Portfolio von rund sechzig Projekten mit einem Volumen von etwa einer Milliarde Euro. Neben dem Denkmal-Fokus realisiert Dolphin Trust auch Neubauprojekte an ausgewählten Standorten, im Wesentlichen in den »Top Regionen« Frankfurt, München, Hamburg, Berlin, Stuttgart, Leipzig, Köln, Nürnberg und Hannover.

Was ist der Reiz bei denkmalgeschützten Objekten und welche Herausforderungen bzw. Chancen sehen Sie in diesen Entwicklungen?

Altbauten bieten meist eine besonders hohe Wohnqualität in bester Lage. Trotzdem scheint eine denkmalgeschützte Immobilie auf den ersten Blick keine besonders lohnende Investition zu sein. Weil denkmalgeschützte Immobilien auch immer ein öffentliches Interesse erfüllen und einen hohen kulturellen Wert haben, sind Eigentümer einer Denkmalimmobilie durch die Erhaltungspflicht angewiesen die Immobilie so instand zu halten, dass ihr künstlerischer, wissenschaftlicher und historischer städtebaulicher Charakter nicht verändert wird. Sanierungen müssen somit von Denkmalschutz Bauexperten angeleitet werden und unterliegen besonderen Auflagen, die von den örtlichen Denkmalschutzbehörden bestimmt werden. Die meisten denken bei denkmalgeschützten Immobilien an Stuck, kunstvoll verzierte Fassaden und Bauwerke von repräsentativer Natur. Aber auch alte Krankenhäuser, Kasernen oder Fabrikgebäude sind Zeugen vergangener Jahrhunderte. Chancen bieten diese Großimmobilien, wenn man sie für Wohnzwecke nutzbar macht. Gerade in strukturstarken Regionen fehlt es oft an wichtigem Wohnraum, der durch den Umbau und die Umnutzung denkmalgeschützter Immobilien geschaffen werden kann. Die Sanierung und den Umbau der Immobilien übernimmt Dolphin Trust gemeinsam mit kooperierenden Baufirmen. Den Anlegern bzw. Käufern werden am Ende schlüsselfertige Wohnungen mit besonderem Flair übergeben.

Ihr größtes Vorhaben liegt derzeit in Jüterbog! Ein tolles Revitalisierungsvorhaben für die kommenden Jahre – aber auch mit Herausforderungen – nicht nur im Bereich Denkmalschutz, sondern ggf. auch beim Thema Altlasten? Wie ist der derzeitige Entwicklungsstand?

In Jüterbog ist es vor allem die Militärgeschichte des über 300.000 Quadratmeter großen Areals an der Bülowstraße/Tauenzienstraße, die mit viel Fingerspitzengefühl in die Zukunft überführt werden muss. Das weitläufige Grundstück diente im 19. Jahrhundert als Ausbildungszentrum für die preußische Kavallerie und Artillerie. Durch den architektonischen Grandeur der Wilhelminischen Ära, waren die kaiserlichen Militärbauten seither vor allem für repräsentative Zwecke gefragt. Mit dem Ende des Kaiserreichs wurde das Areal von der deutschen Reichswehr und der Wehrmacht genutzt und nach der Kapitulation Deutschlands im Zweiten Weltkrieg von Einheiten der sowjetischen Truppen besetzt. Kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde der Militärstandort 1993 aufgegeben und unter Denkmalschutz gestellt und seitdem von der Brandenburgische Boden Gesellschaft für Grundstücksverwaltung und -verwertung mbH verwaltet.

Die großzügig angelegten Gebäude bieten sehr gute Bedingungen, um ein attraktives Bauprojekt auf den Plan zu rufen, das die Militärgeschichte Jüterbogs in ein zukunftsweisendes Projekt umwandelt. Dolphin Trust erarbeitet hier in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden ein Nutzungskonzept, das neben der denkmalgerechten Sanierung der Bestandsgebäude Gebäude mit Mischnutzung vorsieht. Das Leipziger Architekturbüro Mann & Schott hat dafür erste Entwürfe vorgelegt.

Abschließend: Projekte wie von Dolphin Trust zeigen, dass sich die Revitalisierung auch denkmalgeschützter Objekte lohnt und hierfür ein Markt besteht. Welche weiteren Projekte haben Sie derzeit in der Planung?

Wir arbeiten an vielen spannenden Projekten in ganz Deutschland. Eines zum Beispiel in der Spandauer Maselakebucht, das heute kaum erahnen lässt, dass der Bezirk einst einer der innovativsten »Waffenschmieden« des 20. Jahrhunderts Platz bot. Insgesamt zwei Baufelder umfasst das Projekt Maselakepark direkt an der Havel, eins davon ist unbebaut. Das bebaute Grundstück beherbergt eine ehemalige, heute denkmalgeschützte, Fabrik der SIEMENS AG. 

Während des Zweiten Weltkrieges wurde dort unter Wernher von Braun Flugzeugtechnik, wie beispielsweise der Raketenantrieb der V2-Rakete, entwickelt und hergestellt. Mit dem Sanierungs- und Bebauungsprojekt Maselakepark möchte Dolphin Trust, dass das Gebäude mit schwieriger Vergangenheit eine neue Bestimmung bekommt. Ruhig gelegen und mit Blick übers Wasser bieten die Grundstücke sehr gute Rahmenbedingungen, um ein Bauprojekt auf den Weg zu bringen, das Naherholung und Großstadtflair miteinander verbindet. Die gesamte Entwicklung des Quartiers wird Schritt für Schritt realisiert. Aktuell finden Gespräche mit dem Bezirk statt, welche Nutzungsmöglichkeiten bestehen.

 

 


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