Dr. Roland Arnz, Geschäftsführer des AAV, im Interview mit Brownfield24

»Wir schützen Mensch und Umwelt vor Gefahren.«

24.04.2019

Dr. Roland Arnz, Geschäftsführer des AAV - Verband für Flächenrecycling & Altlastensanierung in NRW, erläutert im Gespräch mit Brownfield24 die Aufgaben seines Verbands und warum eine Mitgliedschaft im AAV nicht nur für Kommunen gewinnbringend ist.

B24: Herr Dr. Arnz, was genau ist der AAV und wer kann sich an den AAV wenden?

DRA: Der AAV ist ein bundesweit einzigartiges Kompetenzzentrum für Flächenrecycling und Altlastensanierung, in dem Land, Kommunen und Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen partnerschaftlich zusammenarbeiten. Der AAV beseitigt auf Antrag der Kommunen überall dort Altlasten in Boden und Grundwasser, wo ein Verursacher der Verunreinigungen zum Beispiel nicht haftbar gemacht werden kann. So schützt der AAV Mensch und Umwelt vor Gefahren. Und macht durch Flächenrecycling zugleich wertvolle, meist attraktiv gelegene und gut erschlossene Flächen neu nutzbar. Damit unterstützt der AAV die Landesregierung wirkungsvoll bei ihrem Ziel, den Verbrauch von Natur- und Freiflächen zu reduzieren.

Zusätzlich zu den gesetzlichen Pflichtmitgliedern – dem Land NRW und den Kommunen – haben sich dem Verband auf freiwilliger Basis Unternehmen angeschlossen. Sie unterstützen damit die gesamtgesellschaftlich wichtigen Aufgaben des AAV. Gleichzeitig profitieren sie von den Erfahrungen und dem Sachverstand des interdisziplinären AAV-Teams, das die Unternehmen rechtlich und fachlich unterstützt.

B24: Für die Kommunen in NRW ist der AAV eine ganz besondere Anlaufstelle! Was genau wird gefördert, welche Kosten werden übernommen und welche Rolle spielt der AAV im Prozessablauf?

DRA: Ja, das ist richtig. Die Kommunen können uns in einem frühen Stadium ansprechen. Neben der Beratung zur Vorgehensweise unterstützen wir bei der Projektanmeldung und bei der Klärung wichtiger rechtlicher und fachlicher Fragen – auch, wenn sich Kommunen im Prozess mit dem Gedanken tragen, Flächen anzukaufen. Nach der Aufnahme in den Maßnahmenplan werden wir in der Regel Träger der gesamten Maßnahme und bringen neben unserem großen Know-how bis zu 80 % der Finanzierung auf.

Aktuell läuft noch bis 2021 ein Sonder-Förderprogramm beim AAV, bei dem wir die Aufbereitung von Brachflächen für den Bau bezahlbarer Wohnungen zu 100 % fördern können. Im Prozess übernehmen wir in enger Abstimmung die gesamte Steuerung und Kontrolle und führen z. B. auch die Ausschreibungen und Vergaben der Arbeiten durch. Üblicherweise beginnen wir mit der Sanierungsuntersuchung und Planung, gefolgt von den Sanierungsmaßnahmen. Beim Flächenrecycling gehört dazu auch die Untersuchung, Planung und Durchführung von Abbruch- und Rückbaumaßnahmen, dem Bodenmanagement und dem Umgang mit Fundamenten.

B24: Ist der AAV einzigartig in Deutschland oder gibt es ähnliche Modelle auch in anderen Bundesländern – bzw. wäre dies ein Erfolgsmodell für andere Bundesländer, um zukünftig weitere Altlastenflächen »schneller« zu revitalisieren?

DRA: In dieser Form der Finanzierung und als partnerschaftliche Zusammenarbeit von Land, Kommunen und Wirtschaft im Sinne eines gelebten kooperativen Umweltschutzes ist der AAV in Deutschland einzigartig. Unterschiedliche, zum Teil ähnliche Instrumente, gibt es aber in allen Bundesländern. Aufgrund der Größe und der 200-jährigen Industriegeschichte ist die Altlastensanierung und das Flächenrecycling in NRW sicher von besonderer Bedeutung: NRW ist, gemessen an der Anzahl der durchgeführten Gefährdungsabschätzungen und Sanierungsmaßnahmen, bundesweit führend. Dabei ist der Handlungsbedarf weiterhin groß, denn die Zahl der von den zuständigen Behörden ermittelten Altablagerungen und Altstandorte ist aufgrund von Nacherhebungen auch in den letzten beiden Jahren weiter angestiegen.

Es bestehen aber noch erhebliche Unsicherheiten in der Erkennung der Gefahrenpotenziale und Defizite in der Abarbeitung von Altlastenrisiken. Das betrifft auch Maßnahmen des Flächenrecyclings, die gemäß Koalitionsvertrag als eigener Förderschwerpunkt auf Bundesebene geprüft werden sollen und durch die zunehmende Flächenknappheit für Wohnungsbau und Wirtschaftsflächen von drängender Aktualität sind. Auch sollen bestehende Hindernisse bei der Brachflächenaktivierung überprüft und bis 2021 bestehende Hemmnisse beseitigt werden. Ein Instrument wie der AAV könnte hier zum Beispiel auch auf Bundesebene helfen.

B24: Gibt es Ihrerseits ein, zwei Erfolgsgeschichten, die zeigen, wie gut die Revitalisierung von Altlastenflächen funktionieren kann?

DRA: Ein wichtiges Projekt des AAV ist die Aufbereitung einer innerstädtischen Fläche in Hamm, auf der sich in der Vergangenheit das städtische Gaswerk befand. Durch die umfassende Sanierung und das Recycling der Fläche durch den AAV konnte auf dem ehemals hochbelasteten Areal bis 2016 ein neues Viertel entstehen, das bald nach seiner Bebauung zu einem der begehrtesten Wohnquartiere der 176.000-Einwohner-Stadt an der Lippe avancierte: dem Museumsquartier.

Zu nennen ist beispielsweise auch die Sanierung der ehemaligen elektrochemischen Fabrik ECF in Kempen. Dort mussten wir in erheblichem Umfang Ablagerungen aus schlammigen Produktionsrückständen aus der Aufbereitung gegerbter Lederreste aufwändig sanieren. Die nachfolgende anspruchsvolle Grundwassersanierung wurde ebenfalls durch den AAV durchgeführt. Die Industrie-Brache konnte durch die Maßnahmen des AAV zu neuem Leben erweckt und für die Ansiedlung neuer Unternehmen vermarktet werden.

Erlauben Sie mir zum Abschluss noch einige ergänzende Informationen. Unsere Mitglieder aus der Wirtschaft schätzen am meisten das Netzwerk des AAV, die AAV-Fachtagungen und unsere Informations- und Netzwerkveranstaltungen. Daneben profitieren unsere freiwilligen Mit-glieder von der fachlichen und rechtlichen Beratung, bei Sanierungen und bei der Lösung konkreter Probleme durch Moderation sowie bei der Unterstützung zum Ausgangszustandsbericht für Boden und Grundwasser (AZB). Grundsätzlich ist eine Mitgliedschaft für alle Wirtschaftsteilnehmer möglich, wobei wir in Abstimmung mit dem Vorstand des AAV über eine Mitgliedschaft final entscheiden. Besonders freue ich mich, dass sich mit Brownfield24 ein junges und innovatives Internetunternehmen zu einer Mitgliedschaft entschieden hat und wir seitdem zur Förderung des Flächenrecyclings eng zusammenarbeiten.

Quelle für alle Bilder: AAV (Projekt des AAV in Hamm)


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