Digitale Logistikkarte: mit L.Immo online Regionen checken

»Die spannende Frage ist, wo genau die Entwicklung neuer logistischer Flächennutzung stattgefunden hat«, findet Uwe Veres-Homm, Initiator der digitalen Research Plattform für Logistikimmobilien. Er liefert im Interview die Auflösung.

20.11.2018

BF24: Herr Veres-Homm, mit L.Immo online haben Sie eine Research Plattform für Logistikimmobilien geschaffen. Was genau hat es damit auf sich und wie funktioniert die Plattform?

UVH: Seit 10 Jahren haben wir bei der Fraunhofer SCS mit unserer zweijährlich erschienenen Studienreihe »Logistikimmobilien – Markt und Standorte« für mehr Transparenz auf dem deutschen Logistikimmobilienmarkt gesorgt. Dabei haben wir insbesondere die Frage geklärt, welche Regionen warum einen guten Logistikstandort darstellen. Nun sind wir einen Schritt weiter gegangen und haben die Inhalte der Studie auf eine digitale Plattform übertragen. Herzstück ist eine interaktive Karte mit individuell auswählbaren Elementen, die neben der Attraktivitäts- und Intensitätsbewertung auch die einzelnen Logistikimmobilien mit ihrer Alters- und Nutzerstruktur in den 23 deutschen Logistikregionen aufzeigt. Nutzer können zwischen einer kostenfreien Ansicht wählen, die einen Überblick über die deutschen Logistikregionen und die methodischen Grundlagen liefert, oder über einen Regional- bzw. Vollzugang tiefer in die einzelnen Regionen einsteigen.

BF24: Die gesamte Immobilienbranche beklagt, dass es keine verfügbare Fläche mehr gibt. Stimmt das und welchen Beitrag kann Ihre Plattform hier leisten?

UVH: Das stimmt nur zum Teil: Tatsächlich ist es in den letzten Jahren immer schwieriger geworden, Flächen für logistische Nutzungen zu mobilisieren. Auf der anderen Seite werden auch in den akut von Flächenknappheit geprägten Regionen nach wie vor noch nennenswerte Logistikflächen entwickelt. Beispielsweise wurden in der Rhein-Neckar Region in den letzten beiden Jahren jeweils rund 180.000 m² an neuen Hallenflächen für logistische Nutzungen errichtet. Die spannende Frage ist aber, wo genau diese Entwicklungen stattgefunden haben. Der konkrete Blick auf die Neubauten zeigt, dass diese abseits der bisherigen Hot-Spots an teilweise peripheren Standorten realisiert wurden. Die Nutzer haben schlicht die letzten Grundstücksoptionen in dieser Größenordnung gezogen und nehmen dafür weitere Wege, mehr Verkehr und schwierigere Rekrutierungsbedingungen für die Lagermitarbeiter in Kauf. Auf L.Immo online können diese Zersiedelungstendenzen auf regionaler Ebene nachvollzogen werden. Außerdem gehört sowohl die Nachfrage nach Logistikimmobilien als auch das lokale Flächenangebot zu den Bewertungskriterien, die für die 23 Logistikregionen verglichen werden können.

BF24: Welche Rolle spielen Brownfields bei der Entwicklung von Logistikimmobilien?

UVH: Gerade in den Regionen mit starkem Nachfrageüberhang halte ich Brownfield-Entwicklungen für die einzige zukunftsfähige Option, um an attraktiven Mikrolagen noch zu neuen Flächenpotentialen zu gelangen. Häufig sind alte Industrie- und auch Konversionsflächen ja verkehrstechnisch sehr gut angebunden und liegen innerhalb der dicht besiedelten Ballungsräume. Beides sind wichtige Kriterien für die Logistik, die aufgrund ihrer Kunden aber auch wegen der Arbeitskräfteverfügbarkeit die Nähe zu den Großstädten sucht. Zwar ist bei Brownfield-Developments im Vergleich zur Grünen Wiese mit einer längeren Anbahnungsphase und auch höheren Entwicklungskosten zu rechnen, am Ende zahlt sich das aber durch die bessere Lage und Drittverwendbarkeit der Immobilien nachhaltig aus.

BF24: Welchen weiteren Mehrwert bietet L.Immo und wer sind Ihre Nutzer?

UVH: Projektentwickler, Investoren und nicht zuletzt auch die Nutzer von Logistikimmobilien aus Industrie, Handel und Logistikdienstleistung erhalten mit L.Immo online einen aktuellen Überblick über die spezifische Marktsituation an ihrem tatsächlichen oder potentiellen Standort. Allerdings bringen nicht alle Logistikansiedlungen die gleichen Anforderungen an Lage, Infrastruktur und Flächen mit sich. Deshalb unterscheiden wir bei der Attraktivitätsbewertung zwischen fünf typischen Logistikfunktionen, von der Ballungsraumversorgung über zentrale Distribution bis hin zur Netzwerklogistik. Insbesondere die öffentlichen Vertreter der Wirtschaftsförderung erhalten dadurch eine objektive Einschätzung, für welche Arten von Logistikansiedlungen ihre Region geeignet ist. Das neue Format als Online-Plattform ermöglicht uns zudem die Daten zweimal jährlich zu aktualisieren, per Knopfdruck alle Inhalte auf Englisch darzustellen oder neue Elemente und Auswertungsmöglichkeiten hinzuzufügen.

BF24: Weitere Informationen zur Plattform unter folgendem Link (www.limmo-online.de) oder auch direkt über
Herr Veres-Homm:

Uwe Veres-Homm
Geschäftsfeldkoordinator Logistik, Transport & Mobilität

Fraunhofer-Arbeitsgruppe für
Supply Chain Services SCS
Nordostpark 84
90411 Nürnberg
Telefon +49 911 58061 9539
uwe.veres-homm@scs.fraunhofer.de
www.scs.fraunhofer.de


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