B24 im Gespräch mit Dr. Arne Bayer von Uniper

»Der Kohleausstieg ist ein spannendes Thema in Europa.«

20.11.2019

Mit rund 11.000 Mitarbeitern zählt Uniper zu den führenden internationalen Energieunternehmen. Dr. Arne Bayer, Head of Asset Development, und sein 15-köpfiges Expertenteam sind verantwortlich für die Planung von neuen Kraftwerken. Sie beschäftigen sich aber auch mit der zentralen Frage, wie die Zukunft eines Assets, das nicht mehr in Betrieb ist, aussehen kann: Modernisierung im Sinne des Uniper-Kerngeschäfts oder Revitalisierung der Fläche im Rahmen eines neuen Nutzungskonzepts. Mit Dr. Arne Bayer hat B24 über die Situation der Kraftwerke in Europa aus Sicht der Uniper gesprochen.

B24: Immer mehr Meiler werden vom Netz genommen. Wie sieht in puncto Kraftwerksschließungen die aktuelle Situation in Deutschland und Europa konkret aus?

Dr. Bayer: Zurzeit ist der Kohleausstieg ein treibendes Thema in UK, den Niederlanden und in Deutschland. Wir bei Uniper wollen nicht warten, bis es soweit ist und die Anlagen außer Betrieb gegangen sind, sondern im Vorfeld schon aktiv Standortentwicklung betreiben und die Verantwortlichen der Städte und Kommunen in den Prozess miteinbinden. Es geht uns darum, Angebote zu schaffen und langfristig auch das eigene Geschäft sowie die heutigen Arbeitsplätze zu sichern bzw. auszubauen. Entweder in dem wir wie am Standort Scholven, einst eines der leistungsstärksten Steinkohlekraftwerke Europas, den Umstieg von Kohle auf Gas vorantreiben oder uns sinnvolle Nachnutzungskonzepte überlegen wie in Kingsnorth und Ratcliffe im Vereinigten Königreich.

B24: Welche Herausforderungen und Chancen bei Kraftwerksschließungen und deren Nachnutzungskonzept sehen Sie als Kraftwerksbetreiber?

Dr. Bayer: Die größte und für uns wichtigste Herausforderung ist der Diskurs mit den Kommunen. Wir möchten in partnerschaftlicher Zusammenarbeit einen Fahrplan erarbeiten, wie der jeweilige Standort weiterentwickelt werden kann. In Deutschland liegt der Schwerpunkt der Kommunen derzeit auf Gewerbe- und Industrieflächen. Die dafür verfügbaren Flächen werden hier immer knapper. In anderen Ländern werden aber auch Wohnquartiere angedacht. Entscheidend ist für uns, dass wir die Wünsche der Kommunen kennen, damit wir unser Vorgehen ausrichten können. Wenn beide Seite wissen, was sie wollen, gibt es keine Überraschungen. Wichtig ist uns aber auch, frühzeitig intern aufzuklären, was mit dem Standort passieren wird. Zudem müssen Datenräume angelegt werden, die den Parteien alle Informationen gesammelt bereitstellen. Zum Beispiel Schadstoffanalytik oder Bodenverunreinigungen. Womöglich befindet sich unter dem Asset auch ein Bergwerk, das aufwändig verfüllt werden muss. Das alles sind Show-Stopper-Kriterien, die im Vorfeld bekannt sein müssen.

B24: Gibt es bereits erfolgreiche Revitalisierungsprojekte inner- und außerhalb Deutschlands?

Dr. Bayer: Da fallen mir einige ein. Das Kraftwerk Knepper (in Dortmund) zum Beispiel, das wir an die Unternehmensgruppe Hagedorn veräußert haben. Dort wird eine gewerbliche Entwicklung stattfinden. Für unser ehemaliges Kraftwerk in Veltheim (nahe Bielefeld) existiert ein Nachnutzungskonzept mit einem Mix aus Gewerbe und Freizeit. Beide Projekte sind in der Umsetzung, aber noch nicht final abgeschlossen. Was unser stillgelegtes Kraftwerk in Kiel angeht, besteht seitens der Stadt großes Interesse an dem Standort, um zukünftig die Seehafenaktivitäten ausbauen zu können. Kingsnorth in der Nähe von London hingegen liegt strategisch so gut, dass wir es erst einmal behalten und selber weiterentwickeln. An diesem Standort würden wir gerne unsere eigenen Dienstleistungen verkaufen und darüber hinaus Gewerbe bzw. Industrie ansiedeln, denen wir als Uniper Medien wie Strom, Dampf, Wärme und Dienstleistungen rund um Energie zur Verfügung stellen würden. Und an dem belgischen Standort Ruien, der zum Energiekonzern Electrabel gehörte, plant ein Projektentwickler auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände ein Wohnquartier.

B24: Sieht sich Uniper hinsichtlich des Verkaufs, der Entwicklung und der Nachnutzung auch als Joint-Venture-Partner bei diesen großen Projekten?

Dr. Bayer: In erster Linie ist das Kerngeschäft der Uniper die Erzeugung und Vermarktung von Energie. Die Entwicklung von Liegenschaften gehört nicht dazu. Deshalb schauen wir bei jedem Asset zunächst, welche Synergien nach der Stilllegung mit und für unser Kerngeschäft entstehen können. Falls das der Fall ist, wie zum Beispiel bei Kingsworth, dann sind wir gern mit im Boot. Bei Standorten ohne diese Relevanz ist eine Kooperation nicht realistisch. Hier bemühen wir uns, die Städte von Anfang an in den Prozess zu integrieren und gemeinsam mit ihnen eine faire Lösung für den Standort zu entwickeln. Ganz wichtig ist hier die frühzeitige interne und externe Kommunikation, die Einbindung der Belegschaft und der Kommunen sowie – wie bereits erwähnt – ein strukturiertes Bieterverfahren. Früher hat man sich weniger um eine aktive Liegenschaftspolitik gekümmert. Das hat sich heute total geändert. Wir alle – Kommunen, Investoren, Entwickler und Uniper – wollen Industrieruinen vermeiden bzw. auch wo es keine Rückbauverpflichtungen bestehen die Assets einer zeitnahen Nachnutzung zuführen.


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